oder wie nahe stehen wir eigentlich der Natur?

Stell dir ein fußballgroßes Konstrukt aus Kohlen-Wasserstoffketten, mit Sauerstoffatomen vor. In der Mitte von diesem Konstrukt sitzt ein Kranz aus Stickstoff der ein einziges, sandkorngroßes Magnesiumatom festhält. Diese Molekularstruktur ist einer der essenziellen Bausteine der Pflanzen. Chlorophyll absorbiert Sonnenlicht und wandelt dieses in Energie um, welche die Pflanze für den Aufbau von organischen Verbindungen benötigt. Es ist der Grundstein des Wachstums, es ist die Voraussetzung von Photosynthese.

Und nun stell dir haargenau dasselbe fußballgroße Konstrukt vor. Entnimm das Sandkorn, das Magnesiumatom, dem Stickstoffkranz im Zentrum und tausche es gegen ein einzelnes Eisenatom. Du erhältst dadurch Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff, der für den Sauerstofftransport zuständig ist. Hämoglobin, dem Chlorophyll so unscheinbar nahe, ist der Treibstoff unseres eigenen Lebens.

Dies ist der Kern des Umweltschutzes. Das Wissen um die Verbundenheit der Dinge. Alles ist eines und wenn man dies spürt und weiß, dringt die die Wahrnehmung der Zerstörung unserer Umwelt bis tief in unsere Herzen vor.

1958 beschloss das kommunistische Regime in China den Spatz als landwirtschaftlichen Schädling zu erklären. Daraufhin wurde der Spatz in kürzester Zeit, ohne sich Gedanken über die möglichen Folgen machen zu können, ausgerottet. Aus dem ökologischen Gleichgewicht gebracht, explodierte die Insektenpopulation und löste eine der größten Hungerkatastrophen der Menschheit aus. Man schätzt 30 Millionen Tote.

Was wird passieren, wenn wir Summen deren Größenordnung und Wirken kaum zu erfassen sind, in die den Bau von Waffen stecken. Es werden Bomben auf Unschuldige fallen und unvorstellbares Leid verursachen. Es gibt immer eine Reaktion auf unsere Entscheidungen, weil alles in Verbindung steht. Wir versuchen zu trennen indem wir Mauern bauen oder Menschen im Meer ertrinken lassen. Aber es gibt keine Insel der Seligen, die Zerstörung unsere Lebensgrundlagen kennt keine Zäune.

Lasst uns aufhören nur Zuschauer zu sein. Wir alle können in unseren verhältnismäßig kleinen Handlungsrahmen gemeinsam, großes Bewegen. Es beginnt beim Umgang mit unseren Mitmenschen, bei unseren Kaufentscheidungen und bei den Gedanken, die wir nähren. Auch wir stehen miteinander in Verbindung!

Religionen bezeichnen die Verbundenheit der Dinge als die Liebe. Darum ist es nicht verwunderlich, wenn eines der wichtigsten Werke zum Umweltschutz von der Religion kommt. Die Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus. Zum Abschluss ein Zitat daraus:

„Die Sorge um die Natur, die Gerechtigkeit gegenüber den Armen, das Engagement für die Gesellschaft und der innere Friede sind untrennbar miteinander verbunden. Wenn wir uns allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen.“