Wandhöhe: 700m, 22. Seillängen
Kletterzeit: 8,5h (Einstieg ca. 6:30, Gipfel ca. 15:00)
Zustieg: ca. 1,5h, Abstieg: ca. 1,5h
Kletterpartner: Christoph Pisoni, Wolfgang Gilhofer, Florian Thoma

Auf zu einem richtigen Klassiker. In der Nacht des Blutmondes um 3:30 machten wir uns auf zum eher kurzfristigen Vorschlag von Wolfgang. 23:00 am Vortag, Pisoni: „He Flo gemma doch die Maixkante!“ Und so maschierten wir etwas verschlafen um ca. 4:30 bei der Talstation der Dachsteinbahn los in Richtung Südwandhütte zum Fuße des Dachstein Dirndls. Ist das etwa der Mars rechts unter dem Mond? Ja denken wir schon!

Das Klettertopo beschreibt diese Tour als „Pausetour“. Eigentlich nur eine 6er Stelle das meiste im 4/5ten Grad. Wolfgang übernimmt gleich am Anfang den Vorstieg. Hinter uns nähern sich schon zwei weitere Seilschaften der Tour. Aber mit unserer „Vorstiegssau“ bauen wir gleich einen brauchbaren Vorsprung aus. Wolfgang hat keine Probleme mit der frühen Uhrzeit, der Orientierung und dem kalten Fels. Relativ weite Hackenabstände, also setzen wir den einen oder anderen Keil und Friend. Ansonten sind die Stände gut eingerichtet. Und so kommen wir relativ schnell in wunderbaren kompakten Fels (ab der 5 SL). Wir klettern in einem wunderbaren Rythmus und ohne viel Nachzudenken. In der 10ten Seillänge legt Wolfgang in der Schlüsselstelle noch einmal eine wunderbare Variante vor die sein Können und Auge für die gute Linie so richtig unter Beweis stellen.

Ab SL 11 übernimmt dann Christoph den Vorstieg um nach den ersten Metern gleich in die „Ritze“ hinein zu fetzen. Die berühmte rucksackfreundliche Stelle. Schnaufen, Stöhnen, Quetschen, Schieben und boshaftes Lachen von unten. Aber es ging dann dem schadenfrohen Flo gar noch schlimmer in der Ritze. Souverän klettert Christoph im Vorstieg bis zur 18 SL. Er liebt einfach lange, kalte und feuchte Kamine und beweist seinen Orientierungssinn im fast Bohrhackenlosen 3er Gelände nach dem Kamin.

Vorstiegswechsel in SL 18. Hier in der Headwall der Tour erwarten uns die (für mich) schönsten Seillängen der Tour. Mittlerweile klettern wir schon in der Sonne. Denn trotz dem Südwandcharakter hatten wir durch die vielen Kamine und dem doch späten Sonneneinfall (erst ab SL 12) kein Problem mit der Hitze. Plattenstellen, ausgesetzte steilere Henkelpassagen und ein wunderbarer Run Out direkt zum Gipfelkreuz hin erwarteten mich im Vorstieg. Was für eine schöne Kletterei. Alpines Feeling ohne das Gefühl überfordert zu sein. Die Herausforderungen der Tour waren aber doch die Steinschlaggefahr und die Länge. Natürlich hat die kurze Nacht ihre Spuren hinterlassen.

Der Fauxpas des Tages erwartete uns beim Abseilen. Ein Abstieg über den Westgrat wäre sehr zu empfehlen! Hinein ins Gemüse über dubiose Abseilstände und mitten in die höchste und steilsten Stelle des Dachsteiner Dirndl Kolks hinein. Die Überquerung ohne Ausrüstung war dann doch ein bisschen stressig. Aber der Schnee war weich und es ist alles gut gegangen.

Tja, und so segelten wir dann gegen 17:15 tiefenentspannt mit der Dachsteinbahn, fast ohne Abstieg dem Auto, dem Abendessen und dem verdienten Bier entgegen. Danke meine Freunde für diesen wunderbaren Tag in der Südwand des Dachstein Dirndls! Topo der Tour