Mittwoch, Tag 1

In aller Früh um 5:30 machten wir uns mit dem ersten REX nach Innsbruck auf. Wer konnte hat noch ein bisschen geschlafen (oder zumindest so getan) und nach einem kleinen Frühstück am Bahnhof ging’s dann mit dem Bus gleich weiter zur Talstation der Mutterbergalm im Stubaital. Von dort sind wir mit dem Lift rauf um das Skigebiet über die Daunscharte zu verlassen und um unsere Reise in die Wunderwelt der Stubaier Alpen zu beginnen.

Gleich  nach der Überschreitung wurde uns der Blick auf unser geplantes Ziel frei gegeben. Dem Ostgrat der Wilden Leck. Was bis zu diesem Zeitpunkt schon alle vermuteten wurde nun leider bestätigt. Der ganze Grat war voller Schnee und unseren Plan den Grat zu klettern mussten wir wohl begraben. Aber in Anbetracht des genialen Neuschnees und der unzählbaren, unberührten Pulverhänge störte das eigentlich keinen. OK, wir haben echt viel Ausrüstung umsonst mit geschleppt.

Also auf in den Genuss und zum ersten Gipfel, dem Windacher Daunkogel. Oben angekommen wurden wir dann fast tiefgefroren (ca. -17° und ein starker Wind), haben also nur schnell die Aussicht auf den Wütenkarferner und zur Hochstubaihütte, GOTT SEI DANK haben wir nicht wie geplant im Winterraum jener Hütte geschlafen, sondern einen Platz auf der Amberger bekommen, genossen und sind dann über einen schön steilen Nordhang voller Pulver wieder zurück auf den Sulztalferner. Noch einmal überquerten wir den Ferner in Richtung Daunjoch um den zweiten Gipfel, den hinteren Daunkopf zu besteigen und um über die Nordseite in Richtung Amberger Hütte abzufahren. Leider mussten wir am Daunjoch wegen der Schneelage (eingeblasener Triebschnee am Ausgang vom Daunjoch) umkehren. Aber aufgehoben ist nicht aufgegeben.

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Donnerstag, Tag 2

Am zweiten Tag beschlossen wir in Richtung Schwarzenbergferner aufzubrechen und spontan zu entscheiden was wir machen. Geplant wäre in erster Linie der Bockkogelferner (mit Bockkogel und Mutterberger Seespitze) oder ein Aufstieg zum Alpeiner Ferner über das Schwarzenbergjoch (mit Richtung Ruderhofspitze) gewesen. Bei beiden Steilstufen haben wir in der Grupper beschlossen diese wegen der Schneelage nicht zu gehen. Darum überquerten wir den Schwarzenbergferner und stiegen zum Schrankarkogel auf. Wir inspizierten die Nordflanke mit der Option zur Abfahrt auf den südlichen Schrankarferner und weiter zur Amberger Hütte. Sind dann aber doch wieder wie aufgestiegen über die Ostseite abgefahren.

Danach stiegen wir noch einmal zum Grat zwischen dem Schrankarkogel und dem Schrankogel auf. Dort oben war die Laune ausgelassen und wir genossen die letzten Minuten des strahlenden Tages vor der Abfahrt zur Hütte. Beim Jausenen erreichte uns dann per Handy die schreckliche Nachricht vom Tot unseres Bergsteiger- und HG Kollegen Martin Ferschmanns. Er ist ein paar Stunden zuvor auf der Königsspitze in einer Lawine um das Leben gekommen. Die Gedanken und der restliche Abend von uns war sehr zerstreut.

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Freitag, Tag 3

Etwas gebremst vom Ereignis am Vortrag beschlossen wir es gemütlicher anzugehen. Außerdem waren das Wetter und die Sicht nicht gut, es hat in der Nacht ca. 30 bis 50 cm Neuschnee gegeben. Joe Hajek, der mit Martin viel gemeinsam gegangen ist, hat sich gleich in der Früh von uns verabschiedet und ist ins Tal gefahren. Der Rest machte sich auf um noch einmal den hinteren Daunkopf zu versuchen. Mit Hilfe von Christoph’s unendlicher Motivation alles zu spuren und mit Wolfgang’s Navigationstalent schafften wir es durch tiefsten Pulver und undurchsichtigen Nebel bis ca. 100 HM unter den Gipfel. Da war es dann zu Ende. Christoph & Jakob verabschiedeten sich um ins Tal abzufahren und den Heimweg anzutreten. Wolfgang, Patxi und ich gruben ein Schneeloch und warteten auf bessere Sicht. Wir machten es einfach wie die Pinguine aber nach einer Stunde war es aus. Wir gaben auf und fuhren, mit einem einzelnen Polen der mit uns gewartet hat, zurück auf den Ferner.

Unten angekommen sahen wir, dass Warten sinnlos gewesen wäre, aber in Richtung Westen wurde es Licht und eine mystische Nebel-Sonnenstimmung lockte uns auf den Kuhscheibenferner zum Fuße der Zahmen Leck. Ein unglaublich kontemplativer Aufstieg! Der ganze Tag war voller genialer Pulverabfahrten und freundschaftlichen Momenten.

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Samstag, Tag 4

An unserem letzten Tag machten wir uns auf, um eine Überschreitung über die Wildgratscharte zur Franz Senn Hütte zu machen. An der Wildgratscharte brauchten wir zum ersten Mal unser Seil, na endlich wir schleppten für den Grat der Wilden Leck ja immerhin ein 60 m Seil durch die Gegend, um uns auf der anderen Seite über die etwas gefrorene steile Flanke zum Alpeiner Ferner abzuseilen. Die Abfahrt über den Ferner auf ca. 2650 m war eine große Überraschung. Mit so einem Schnee hatten wir in der Ostseite nicht gerechnet. Feinster Powder. Nicht zu viel und nicht zu wenig! Und zwischendrinnen ein von der Sonne aufgeschmolzener Deckel mit flockigem Schnee. Das Ganze wurde vom strahlensten aller Tage noch unterstrichen und wir flogen jodelnd und juchzent in die Tiefe hinunter.

Natürlich waren wir am letzten Tag in Bestform und konnten noch nicht ins Tal rauschen. Also auf über den Verborgen-Berg-Ferner zum Übergang auf den Berglasferner bei den wilden Türmen.  Bei der Scharte war vor uns eine größere, geführte Gruppe welche den Übergang ein bisschen aufhielt und uns wegen den beginnenden Schneerutschungen im Hang durch die Wärme ein bisschnen nervös machte. Am Ende haben sich aber alle wacker geschlagen und ENDLICH haben wir auch unsere Steigeisen einmal verwenden können!

Oben angekommen kletterten wie noch auf den vorderen wilden Turm und machten uns dann auf den Weg zum wilden Hinterbergl. Dort angekommen entschieden wir uns der Bedingungen wegen gegen die Nordabfahrt auf den Lüsener Ferner und rasteten vor der Talabfahrt auf dem Gipfel. Die Abfahrt über den Berglasferner hielt dann die letzte Überraschung für uns bereit. Auch hier, am späteren Nachmittag Pulver bis fast ganz hinunter auf den Ziehweg zur Franz Senn Hütte! Was für eine schöne Fügung diesen Weg genommen zu haben anstatt der Nordabfahrt.

Danach ging die Heimreise los. Wir flitzten bis ins Tal nach Seduk. Dort hatten wir Glück und nette Leute nahmen uns im Tausch für unsere letzten Müsliriegel, die konnten wir ohnehin nicht mehr sehen und Patxi hätte mit seinen Riegeln immer noch 2 Wochen überlebt, mit bis nach Milders und sogar noch weiter nach Neustift wo wir relativ einfach einen Bus zum Bahnhof nach Innsbruck erwischten. In Innsbruck mampften wir dann nach Herzenslust Döner und knotzten uns entspannt und von der langen Zeit in Fels, Schnee und Eis auch ein bisschen „loco“ im Kopf, in den Zug. In der Nacht erreichten wir den Heimathafen.

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Lieber Wolfgang, wir danken dir für deine Vorbereitungen & die Organisation dieser tollen Tour. Ohne deine Ortskenntnisse wäre das sicher kein so einmaliges und lehrreiches Erlebnis geworden!

Wolfgang Gilhofer, Patxi Azpiroz, Joe Hajek, Christoph Pisoni, Jakob Hofer & Florian Thoma