Spät aber doch noch ein paar Eindrücke von unserer Tour auf die Wilde Leck. Am 14.09 machten wir uns gegen 15:00 mit dem Fahrrad von Gries bei Längenfeld auf zur Amberger Hütte. Nach der gemütlichen Fahrt verbrachten wir den Abend auf der Hütte bei gutem Essen und der Spekulation ob denn zu viel Schnee am Grat der Wilden Leck liegen würde um diese zu begehen. Die Alternative wäre der Schrankogel (3.497 m) gewesen. An den Vortagen hatte es starke Schneefälle gegeben, und es waren kaum Leute auf Hochtouren unterwegs. So ging es dann eben hin und her, bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit ein paar lokale Bergsteiger von der Leck zur Hütte kamen und uns in unserem Vorhaben bestärkten. Gesagt, getan.

Am nächsten Morgen haben wir uns um 6:00 auf den Weg gemacht. Da wir keine kleine Gruppe gewesen sind (Kathrin & Ruppi, Wolfgang & Isa, Anna, Jakob und ich) haben wir auf anraten der Hüttenwirtin mehr Zeit eingeplant. Die Tour von der Amberger Hütte mit 8 Stunden anzunehmen, ist ohne Ortskenntnisse sicher eine sehr knappe Planung… Es erwartete uns ein gewaltiger Tag. Tiefblauer Himmel ohne ein Wölklein am Himmel, kein Wind, keine weiteren Bergsteiger mit dem selben Ziel und vom Schnee der Vortage ein strahlend weißer Gletscher wie Zähne nach der Mundhygiene. Es gab kaum Gletscherkontakt auf der Strecke, bzw. kann dieser komplett vermieden werden. Gegen 9:30 starteten wir dann am Grat in Richtung Gipfel und erreichten diesen nach einer herrlichen Blockkletterei gegen 12:00. Es konnte mit Schlingen und ein paar Keilen bestens gesichtert werden und wir haben den Aufstieg von der ersten Minute an genossen. Der Ausblick in die weite Ferne und auf den strahlenden Sulztalferner taten ihr übriges. Da wir den Aufstieg ohne große Eile und mit einigen kleinen Pausen bewältigten machten wir uns nach einer kurzen Gipfelrast gegen 12:40 wieder auf den Weg nach unten.

Der Abstieg war sicher die größere Herausforderung wie der Aufstieg. Der Westgrat war in der Wegfindung nicht ganz einfach und wir kreuzten auch kurze Nordhänge, wo noch einiges an Schnee lag. Hier hatte man das Gefühl auch mit einigen losen Blöcken unter dem Schnee in Kontakt zu kommen, was die vorangegangene Gelassenheit des Aufstieges doch beendet hat. Am tiefsten Punkt des Süd-Westgrates angekommen (über den Nebengipfel mit 3300 m weiter gehen, Steinmann, siehe Bild von Wolfgang, nicht zu früh abseilen), stiegen wir noch ca. 30 hm bei einer Markierung in eine Rinne ab und fanden dort den Abseilstand, welcher uns in zwei Seillängen und einem etwas umständlichen Standplatzwechsel wieder zum Wilde-Leck-Ferner beförderte. Wir diskutierten danach noch, ob ein Abstieg über den Ostgrat sicherer gewesen wäre. Aber so ist es eine gelungen Überschreitung gewesen. Nun folgte gegen 15:40 „the long way down“. Wir erreichten die Amberger Hütte gegen 18:00. Also doch eine 12 h Tour! Nach einem feinen und notwendigen Abendessen auf der Hütte rollten wir mit den Rädern runter nach Gries und starteten mit dem Auto nach Hause. Es war ein satter Tag, aber ein unvergessliches Erlebnis und mein persönliches Highlight der SommerSaison.

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